BasarBizarr

Tage im Garten

Schaufenstergedicht von Denise Weder
März/2022

Tage im Garten, Frühling 2022

Nichts stört, alles genau richtig.
Auf der Strasse Kinder,
helle Stimmen am Ohr.
Am Himmel Flugzeuge: wohin?
im Gebüsch Vögel: reden, meinen, schnattern.
Motorrad, du erinnerst an Städte im Süden.
Der Himmel von lichtem Blau,
azur, klar, unendlich.

Obwohl,
anderswo,
dieser Tage,
ein Krieg tobt,
mit jeder Stunde Leiden schafft,
viel zu viel, Schmerz und Schuld,
unter demselben blauen Himmel.

Wir haben uns schon daran gewöhnt,
verbringen heitere Tage im Garten:
voller Sonnenlicht,
das uns wärmt
bis tief ins Herz,
uns wohlig einlullt,
weich und etwas schläfrig macht,
bis wir vergessen.

Dass im selben Augenblick,
jetzt,
nicht weit von uns,
im gleichen Frühling,
Menschen aufatmen wollten,
nach dem langen Winter
sich freuen wollten, ob der lauen Luft,
an den frischen Farben,
am jungen Grün.

Stattdessen: Bomben.
In stickiger Luft,
in halbdunklen Kellern und Tiefgaragen,
unsicher und verängstigt hocken sie.
Starren auf ihre Smartphones:
Welche Nachricht bringst du.
Horror, Tod und Verderben
oder Hoffnung!

Noch ist nicht alles verloren,
noch leben wir.
Vielleicht ist Rettung nah.
Vielleicht hört es auf.
Es soll aufhören!
Jetzt, sofort!

Wir wollen raus in unser Leben
Unser schnelles oder ruhiges Leben, egal.
Einfach unser altes, normales Leben
zwischen Büro und Supermarkt
mit Kindern, Katzen und Hunden
und vielleicht einem Garten,

wo in diesem Frühling
der Himmel so angenehm
blau und hoch ist,
dass es nicht sein kann,
dass Krieg ist,
und wir vielleicht,
im nächsten Moment,
tot.

Meinungsvielfalt….